Ephata - öffne dich
 

Text: © Thomas Pohl 

Bilder: © Thomas Pohl

(Sinaigebirge und Katharinenkloster - Ägypten 2006))



Die Bibel

…hochgeschätzt und schwierig zugleich…

Sie ist Gottes Wort in Menschenwort.

Sie ist Urzeugnis unseres Glaubens und enthält grundlegende Glaubenserfahrungen.

Sie ist Träger der Heilsbotschaft und Wahrheit.


Die Bibel - mehr als ein Buch. 

Herzliche Einladung an alle, die sich mit den Texten der heiligen Schrift, deren geschichtlichem Hintergrund 

und Menschen des Glaubens auseinandersetzen wollen.




Die Geschichte des Urchristentums.

Die Apostelgeschichte.

  

I.)     Bedeutung „Urchristentum“

Urchristentum meint die Zeit der Anfänge der Kirche, beginnend mit dem Tod Jesu.

Es gibt zwei Positionen:

a)   Das Urchristentum endet mit dem Jahr 70 n. Chr. mit der Trennung zwischen Judentum und Christentum.

b)   Das Urchristentum ist der Zeitraum, indem alle neutestamentlichen Schriften entstanden sind. (30-120 n. Chr.)

 

II.)    Die Apostelgeschichte und ihre Glaubwürdigkeit

Der Name „Apostelgeschichte“ ist sehr missverständlich. Am meisten wird von Paulus gesprochen, obwohl er kein Apostel war. Der Verfasser ist ein literarisch- gebildeter Mensch. Die Verurteilung des Paulus fehlt in der Apostelgeschichte, wahrscheinlich deswegen, weil nicht Paulus im Mittelpunkt stehen soll, sondern der Siegeslauf des Evangeliums. Die Apostelgeschichte. ist von Anfang an als Fortsetzung des Lukasevangeliums konzipiert und stammt wahrscheinlich vom gleichen Verfasser.

 

III.)   Die besonderen Merkmale der Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte ist der antiken Geschichtsschreibung zugehörig. Typisch dafür sind drei Ziele:


a) die schriftstellerische Kunst

Die Reden sind nicht von Paulus oder Petrus gehalten, sondern vom jeweiligen Verfasser bzw. Geschichtsschreiber. Deshalb kommen wir nicht an die eigentliche Theologie des Paulus heran. Die Ereignisse werden zu einer großartigen Szene herausgestellt. Dieser Stil ist großartig.


b) die theologische Deutung

Der Abstand zur Kirche wird immer größer. Was die Kirche aber lehrt, ist das, was Jesus auch verkündet hat. Es geht um die Betonung der Kontinuität zwischen Jesus und der Zeit der Kirche. 40 Tage liegen dazwischen. (vgl. Apg 1,1-3) Diese 40 Tage bilden das Scharnier zwischen Jesus und der Kirche. Die Säulen der Kirche (12 Apostel) werden noch einmal geschult. Es gibt keinen Bruch zwischen Jesus und der Kirche.


In der Apostelgeschichte werden die 12 Apostel hervorgehoben.

Hier muss man zwei Vorstellungen (2 Kreise) unterscheiden:


I. Kreis:         Die Apostel sind Gesandte vom Auferstandenen und Gesandte von urchristlichen Gemeinden.

                     Die Zahl ist unbekannt, aber es waren mehr als 12.

                     Auch Paulus sieht sich als Apostel.

                     à das ist historisch!!

II. Kreis:        Die 12 Apostel und an der Spitze Petrus als Sprecher.

                     Sie leiten die Jerusalemer Gemeinde.

                     Jesus erwählt 12 Männer. Dies ist die symbolische Zahl für die zwölf Stämme Israels.

 

Der Verfasser der Apostelgeschichte vermischt beide Kreise. Er redet nur von den 12 Aposteln. Der Verfasser klammert alle anderen aus. Er will deutlich machen, dass die Kirche auf einem festen Fundament steht. Dies ist keine böse Absicht!

 

c) die historisch zutreffenden Informationen

Benutzung von Quellen wie z. B. einem Stationenverzeichnis der Paulusreisen. Aufschlussreich ist hier auch ein Vergleich zwischen der Apostelgeschichte und den echten Paulusbriefen. (von Paulus selbst verfassten Briefen) Darstellung des Apostelkonvents in Apg 15,1-32 und Gal 2,1-10.

Zusammenfassend gilt zu sagen, dass die antike Geschichtsschreibung das Ziel hatte, den Leser zu informieren, die Ereignisse zu deuten und den Leser durch Erzählkunst zu erfreuen.

 

IV.)   Die Verfasserfrage   

Der Verfasser ist der Gleiche, wie der des Lukasevangeliums. Gründe sind ein ähnliches Vorwort, der gleiche Stil und die gleiche Theologie.

Hier unterscheidet man verschiedene Traditionen:

Altkirchliche Tradition: Ein Mann namens Lukas, Arzt, Begleiter des Paulus bei seinen Reisen. Man glaubte im dritten Evangelium und der Apostelgeschichte ein besonderes medizinisches Sprachgut zu erkennen, deshalb ging man von einem Arzt als Begleiter aus. Weiter gibt es auffälliges „Wir“ in der Apostelgeschichte. (vgl. Apg. 16,10)

Heutige Exegese (Bibelauslegung): Die „Wir“ – Stücke sind Überreste einer Quelle (Reisebericht) Es gibt keine spezifisch paulinische Theologie im Lukasevangelium. Von einem Paulusbegleiter wäre dies aber zu erwarten gewesen. Für Lukas ist der Kreis der Apostel auf die 12 Apostel beschränkt, damit gehört Paulus für Lukas nicht dazu, obwohl Paulus für sich den Titel in Anspruch genommen hat. Ein direkter Mitarbeiter und Schüler des Paulus würde seinem Lehrer nie den Aposteltitel absprechen.

Konsequenz: Der Name des Verfassers bleibt unbekannt. Er war ein sehr gebildeter Mann. Er war Heidenchrist und schrieb für heidenchristliche hellenistische Gemeinden. Der Verfasser war mit dem Alten Testament bestens vertraut und man geht davon aus, dass er zu einer Gruppe gehörte, die mit den Juden sympathisierte.

Zeit der Abfassung: Das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte sind wohl um 80/90 n. Chr. verfasst. Innerkirchlich ist dies die zweite und dritte Generation. Die Distanz zum historischen Jesus wird immer größer und es gibt keine Augenzeugen mehr. Deshalb muss die Weitergabe auf ein sicheres Fundament gestellt werden, die 12 Apostel.

 

(Schriftlesungen zum Thema - siehe Link unten)






2. Thema
Schriftlesungen zum Thema.pdf (245.18KB)
2. Thema
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3. Thema
Die besondere Stellung des Petrus im Matthäusevangelium und seine Bedeutung für die Kirche
Die besondere Stellung des Petrus im Matthäusevangelium.pdf (230.75KB)
3. Thema
Die besondere Stellung des Petrus im Matthäusevangelium und seine Bedeutung für die Kirche
Die besondere Stellung des Petrus im Matthäusevangelium.pdf (230.75KB)




4. Thema
Der Seewandel Jesu und des Petrus
Der Seewandel Jesu und des Petrus.pdf (242.94KB)
4. Thema
Der Seewandel Jesu und des Petrus
Der Seewandel Jesu und des Petrus.pdf (242.94KB)




5. Thema
Himmel und Hölle oder das Reich der Toten
Himmel und Hölle oder das Reich der Toten.pdf (248.1KB)
5. Thema
Himmel und Hölle oder das Reich der Toten
Himmel und Hölle oder das Reich der Toten.pdf (248.1KB)




Schriftlesungen zum Thema: Die Geschichte des Urchristentums. Link zum Bibelserver - Die Apostelgeschichte