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Texte: © Thomas Pohl (u.a. Mitschriften aus den Vorlesungen von Frau Prof. Dr. Hanneliese Steichele, KH Mainz

Bild: © Friederika Paulus




„Ein Einblick in den Aufbau und Inhalt der matthäischen Kindheitsgeschichte und der Vergleich zu Lukas“

 

 

I.)  Allgemeine Informationen

Das Matthäus- und Lukasevangelium bringen eine Kindheitsgeschichte, Markus nicht. Auffallend ist eine starke Unterscheidung zwischen Matthäus und Lukas, deshalb sind es keine historischen Protokolle. Im Urchristentum gab es zwei Traditionen der Kindheitsgeschichte. Beide wurden kanonisiert. Beide Geschichten lassen sich nicht miteinander verbinden.

 


II.)  Aufbau der Kindheitsgeschichten


a.)   nach Matthäus:

Stammbaum Jesus     (nur Männer werden genannt!)

Verheißung der Geburt Jesu an Josef im Traum

Geburt Jesu

Huldigung der Magier aus dem Osten

Bedrohung durch Herodes

Flucht nach Ägypten

Kindermord in Bethlehem

Rückkehr nach Nazareth

 

Auffällig sind bei Matthäus Motivparallelen zu alttestamentlich- jüdischen Darstellungen der Geburt und des Lebens des Moses. Dies zeigt, dass die Geburt Jesu im Matthäusevangelium im Licht der Mose- Tradition erzählt wird. (siehe nachfolgende PDF- Datei)


Beispiele.pdf (57.27KB)
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a.)   nach Lukas:

Ankündigung der Geburt Johannes              Ankündigung der Geburt Jesu

des Täufers (Lk 1,5-25)                             (Lk 1,26-38)

 

                               Begegnung der beiden Mütter

                               (Lk 1,39-56)    Magnifikat (Lk 1,46-55) 

 

Geburt von Johannes des Täufers mit          Geburt Jesu (Lk 2,1-20) und

Beschneidung und Namensgebung              Lobpreis der Engel (Lk 2,14)

(Lk 1,57-80)

Benedictus (Lk 1,67-79)                             Beschneidung und Namensgebung Jesu (Lk 2,21-40) 

                                                                Nunc Dimittis (Lk 2,41-52)

 

                                                                Der zwölfjährige im Tempel

                                                                (Lk 2,41-52)      

 

Besonders auffällig ist die Parallelisierung von Jesus und Johannes dem Täufer, wobei das, was über Jesus gesagt wird, überbietender ist. Dadurch wird deutlich, dass in Jesus die Erfüllung gekommen ist. In Jesus löst Gott die alttestamentlichen Verheißungen ein. (vgl. Lk 16,16)   

 

 

III.)      Die Gattung „Kindheitsgeschichte“

Von der Gattung her sind Matthäus und Lukas gleich. Die Kindheitsgeschichten sind keine historischen Protokolle über die Geburt Jesu. Sie wollen aufzeigen, was Jesus denen bedeutet, die an ihn glauben. Es geht nicht um Fakten, sondern um Bedeutung. Es sind christologische Bekenntniserzählungen. 

 

Jesus ist der Messias, Gottes Sohn:  

In Jesus Christus wird Gott greifbar und sichtbar unter uns. Jesus wird benannt als der Emmanuel, Gott mit uns. (vgl. Jesaja 7,14) Jesus ist der Emmanuel, der auch nach seinem Tod den Menschen nahe bleibt. (vgl. Mt 28,20: Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.) Jesus ist für das Matthäusevangelium nicht nur eine Größe der Vergangenheit, sondern der, der seine Gemeinde begleitet und trägt für alle Zeiten.


Die Kindheitsgeschichten sind in einem österlichen Blickwinkel geschrieben:

Ostern machte es erst möglich, von Weihnachten zu erzählen. Erst die jüngeren Evangelien erzählen von der Geburt Jesu. Zur Zeit des Matthäus hat die Geburt Jesu noch keinen beschäftigt. Die Kindheitsgeschichten sind eine Rückprojektion. Sie sind harte Spiegelungen des Lebens Jesu: Die Hirten spiegeln Jesus als Anwalt der Armen von Anfang an. Die Angst des Herodes spiegelt die Angst der politisch Mächtigen vor Jesus. Der Zwölfjährige im Tempel spiegelt die Diskussion Jesu mit den Schriftgelehrten.

 

 

IV.)       Besondere Intentionen der Kindheitsgeschichte nach Matthäus

Für den Verfasser des Matthäusevangeliums ist Jesus die Erfüllung des Heils der Juden. Die heilige Schrift der Juden hat sich in Jesus Christus erfüllt. Dies ist erkennbar in der Kindheitsgeschichte.

Das Mt.- Evangelium nimmt von Anfang an einen universalen Blickwinkel ein, d.h. auf nichtjüdische Völker hin:

(vgl. Mt 1,1-17) Innerhalb des patriarchalen Stammbaums kommen vier Frauen vor, in Vers 3,5,5b und 6. Alle vier Frauen waren keine Jüdinnen. Das „Nicht- jüdische“ ist im Stammbaum Jesu präsent.

(vgl. Mt 2,1-12) Sterndeuter aus dem Osten. Sie sind Nichtjuden, also Repräsentanten aus der nichtjüdischen Welt. Alle Menschen treten an die Krippe. Es besteht eine Sehnsucht der Heiden nach Wahrheit, Rettung und Heil.

Das Matthäusevangelium wirbt von Anfang an für ein Christentum. Es ermutigt uns zum Dialog mit anderen, mit Nichtchristen, die ebenso wie wir nach Heil suchen und eine tiefe Sehnsucht verspüren.


V.)       Besondere Intention der Kindheitsgeschichte nach Lukas

Das Lukasevangelium ist das sozialkritischste Evangelium. Es steht ein Programm dahinter. Die Armen kommen zuerst zur Krippe.

 



 


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2. Thema
Schriftlesungen zum Thema.pdf (245.18KB)
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3. Thema
Die besondere Stellung des Petrus im Matthäusevangelium und seine Bedeutung für die Kirche
Die besondere Stellung des Petrus im Matthäusevangelium.pdf (230.75KB)
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3. Thema
Schriftlesung zum Thema 3.pdf (226.29KB)
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4. Thema
Der Seewandel Jesu und des Petrus
Der Seewandel Jesu und des Petrus.pdf (242.94KB)
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5. Thema
Himmel und Hölle oder das Reich der Toten
Himmel und Hölle oder das Reich der Toten.pdf (248.1KB)
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